28.12.2006 00:32
Insbesondere der Bezirk St. Veit an der Glan gibt sich im Radwegebau besonders kreativ, und gibt dortigen Benutzern der Straßen besondere Kopfnüsse auf, wie die Planung zu verstehen sei, wie beispielsweise hier auf der B94.
Die Breite der Fahrbahnmarkierung und der Durchmesser des Schildes lassen erahnen, wie großzügig bemessen der parallel zur B94 führende Weg in etwa sein muß. Circa 0,8 Meter dürfen sich die aus beiden Richtungen kommenden Rad- und Fußgänger teilen. Wie das konfliktfrei auf mehreren hundert Metern Länge ohne Ausweichmöglichkeiten funktionieren soll, ist allerdings rätselhaft.
Ähnlich herausfordernd ist auch die Radverkehrsführung entlang des innenstadtnahen Kreisverkehrs, wo Ossiacher Straße, Klagenfurter Straße und Bahnhofstraße aufeinandertreffen.
Nach dem mehr oder weniger sanften Auf und Ab der Gehsteigabsenkungen würde man eine Einmündung in den Kreisel erwarten, um dem Straßenverlauf folgen zu können.
Tatsächlich endet hier aber der rote Pflaster abrupt und mündet in einen Zebrastreifen. Wer die Kreuzung legal überqueren will, muß hier also schieben. Um eindringlich daran zu erinnern, haben die Planer in weiser Voraussicht das passende Schild mitten auf den Radweg plaziert.
Da Schieben grundsätzlich eine lästige Angelegenheit ist, könnten pfiffige Radfahrer nun auf die Idee kommen, daß man sich das Durchschlängeln durch die Säulen ersparen könnte, und direkt vom Zebrastreifen aus weiterzufahren.
Doch daran hat der Planer natürlich schon gedacht, und vereitelt solche Pläne, indem er das nachträgliche Auffahren auf den den Radweg unmöglich macht, in dem er ihn spitzwinkelig auf einer etwa 15 cm hohen Kante beginnen und enden läßt.
Wer hier weiterwill, kann also gar nicht anders, als sein Gefährt zu schieben. Oder aber man fährt gleich durchgehend auf der Fahrbahn, selbst wenn man sich damit über die Straßenverkehrsordnung hinwegsetzt, welche die Benutzung derart toller Radfahranlagen allen Ernstes vorschreibt.
27.10.2006 17:20
Wenn Sie ein Haus auf einem ein Hektar großen Grundstück bauen müßten, würden Sie den Eingang so plazieren, daß man erst einmal rund um das Grundstück laufen muß, um es erreichen zu können? Wohl kaum.
In die Realität umgesetzt wurde so ein Konstrukt aber dennoch, und zwar in Feldkirchen in Kärnten. Von der Lage her eigentlich halbwegs günstig bei einem Wohngebiet in St. Ruprecht gelegen, wurde die neu gebaute Hofer-Filiale trotzdem fast völlig vom Fußverkehr abgeschnitten. Ursprünglich war der abgebildete Supermarkt (1) nur über eine einzige Zufahrt (2) zugänglich, die von einer Auffahrt zur Ortsumfahrung (4) einmündete. Diese Auffahrt wird von PKW mit etwa 50 km/h befahren, Gehsteige gibt es dort keine.
Für Kunden, die vom Süden oder vom Westen kamen, bedeutete die Auffahrt als einzige Zugangsmöglichkeit außerdem einen Umweg von etwa 300 Metern längs einer schnell befahrenen Straße. Erst nachträglich wurde bei der gegenüberliegenden Brücke eine Treppe (3) gebaut, um den umwegsensiblen Fußgängern wenigstens die gröbsten Auswirkungen dieses Wahnsinns zu ersparen.
25.08.2003 20:15
Ab dem 1. September gibt es in Kärnten einen völlig neuen Verbundtarif, hier eine kurze Zusammenfassung, was sich ändert, mit einem abschließenden, persönlichen Fazit.
Statt den bisher undurchschaubaren Kilometerpreisen zwischen Relationen von Gemeinden, gibt es nun das schon von anderen polyzentrischen Verbünden bekannte und bewährte Wabensystem. Für Einzelfahrten ergeben sich bei der Preisermittlung klare Vorteile für den Fahrgast. Leider gibt es bei den Einzelfahrtenpreisen keine Deckelung, die den Preis begrenzen würde. Erst bei 40 Zonen und 27,70 EUR endet die Preistabelle. Das entspricht einer Fahrt von Wolfsberg bis Lienz. Eine Fahrt, die man als Vorteilscard-Besitzer besser zum weiterhin bestehenden Vorteilspreis löst. Die Ermäßigungen für Kinder und Senioren, nun "Sparpreis" genannt, betragen übrigens nicht mehr 50 Prozent sondern nur mehr ca. 45 Prozent. Schnelles Überschlagen der Preise im Kopf wird dadurch erschwert.
Die Kärntner Linien haben das lange existierende Manko, keine einheitliche Fahrplanauskunft zu haben zumindest im Internet gelöst. Seit kurzem kennt die Fahrplanauskunft der ÖBB neben den schon länger im Datenstand bestehenden Stadtverkehren und ÖBB-Bussen nun auch die Postbusse. Das ständige Wechseln zwischen EFA für Postbusse und HAFAS für ÖBB und Stadtverkehr entfällt nun.
Mit dem 1. September ändern sich die Zeitkartentarife dagegen völlig. Die Zeitkarten mit dem in 6 Regionen eingeteilte Kärnten mit optionalen Stadtverkehren entfallen ersatzlos. Früher wurden Pendler auf kurzen Strecken durch die hohen Preise der Zeitkarten (ab 68,30 EUR pro Monat), die zwar für weitläufige Region gültig waren, abgeschreckt. Für Pendler bis ca. 25 km werden die Preise somit deutlich sinken. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, daß die neuen Karten aber nur mehr in den Waben gültig sind, die man auch bezahlt hat. Somit ergibt sich eine deutlich gesunkene Flexibilität bei Fahrten in der Freizeit, die man weiterhin zum Vollpreis lösen muß. Erschwerend kommt für Zeitkartenbesitzer auch hier wieder die fehlende Deckelung zu tragen. Wer über 25 km weit pendelt, muß mit einer deutlichen Preiserhöhung rechnen.
Auch die Bestimmungen für die Tageskarten im Regionaltarif ändern sich mit dem neuen Tarifsystem. Waren die Fahrkarten vorher noch 24 Stunden ab Entwertung gültig, gelten diese nun nur mehr bis Mitternacht. Die Preise sind dabei so bemessen, daß die Tageskarten stets teurer sind als eine getrennte Hin- und Rückfahrt. Ebenfalls wieder fallengelassen wurde die Möglichkeit für Familien, zum Normalpreis die Regionalverkehre zu benutzen. Auch hier beträgt der Preis wieder ca. das 1,5fache des Grundpreises.
In den Städten Villach und Klagenfurt ändert sich bis auf eine kleine Preisanpassung nach oben hin nicht viel. Auch die Tageskarten gelten in den Städten auch weiterhin 24 Stunden ab Entwertung. Allerdings sind die Fahrkarten im Stadtverkehr nun nur mehr in den städtischen Verkehrsmitteln gültig. Eine Öffnung der Züge und Überlandbusse für den innerstädtischen Verkehr wird vor allem dadurch unmöglich gemacht, da die Kärnter Linien beabsichtigen, die Entwerter in den Überlandbussen und den Bahnhöfen abzumontieren. Wer beispielsweise von Wölfnitz oder Krumpendorf möglichst schnell zum Hauptbahnhof will, kann nun nicht mehr zum innerstädtischen Tarif die Züge oder Postbusse benutzen.
Viel überfälliges ist nun endlich realisiert worden, viele Mankos bestehen auch weiterhin. Während für den Fahrgast nun endlich ein nachvollziehbares System der Fahrpreisermittlung besteht, werden die Vorteile andererseits wieder kaputt gemacht. Dazu gehört beispielsweise die ersatzlose Streichung jeglicher Zeitkarten für regionale Bereiche sowie die fehlende Kappung des Preises nach oben hin. Begründet wird das durch die bessere Preiszuteilung der einzelnen Verkehrsunternehmen. Das System mit den Magnetkarten, das nun im Regionalverkehr abgeschafft wird, war aber eigentlich schon prädestiniert für genaue Ermittlung der Fahrgastzahlen, da schließlich jede Fahrt registriert werden mußte.
Durch diese Änderungen verkommen die Kärntner Linien zunehmend zu einer reinen Schüler- und Pendlerlösung. Für den Pendler ist die Zeitkarte in der Freizeit nutzlos, wenn dessen Ausflugsziel nicht zufällig auch am Ort des Arbeitsplatzes liegt. Auch an Ermäßigungen zu Schwachlastzeiten wie am Wochenende oder an eine Lösung für Kleingruppen, wie sie Deutschland gang und gäbe sind, wurde nicht gedacht. Stattdessen läßt man die Zeitkarten für Regionen, deren Preise ab einer gewissen Entfernung sicher gerechtfertigt zu reinen Streckenkarten verkommen, die maximal noch die Wahl lassen, nördlich oder südlich am Ossiachersee vorbei zu fahren. Attraktiver, sprich kostengünstiger, für die Verkehrsbetriebe mag das neue System ja sein, aber für den Fahrgast, insbesondere wenn er flexibel sein möchte, ist es das definitiv nicht. Da darf man sich nicht wundern, wenn Kärnten führend bei den Zulassungsstatistiken bei Pkw ist. Selbst ich, der Pkws nur im Notfall benutzt, bin am Tagesrand, und das heißt in Kärnten schon ab 19 Uhr, auf den Pkw angewiesen.